18.04.2018

Lizenzen kurbeln den Absatz der Modellbranche an

Renndrohnen und Kampfroboter sind neuester Schrei

Einmal im Jahr treffen sich Modellbauer und Modellsportler im Mekka der Branche: Die INTERMODELLBAU in Dortmund zeigt vom 19. bis 22. April 2018, was technisch möglich und trendmäßig angesagt ist. Während Bastler und Tüftler deswegen nach Dortmund pilgern, wird erste Begeisterung für die „große Welt im Kleinen“ bereits bei den Kindern durch Ready-to-Run-Modelle geweckt: „Süße Fernsteuerautos für die Kleinsten, cool designte Rennautos und leicht zu steuernde Helikopter in Preislagen von 10-30 Euro prägten zuletzt den Massenmarkt und machten Appetit auf mehr“, erklärt Steffen Kahnt, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverband Spielwaren (BVS), anlässlich der weltgrößten Messe für Modellbau und Modellsport.

Die von den Deutschen in 2017 meistgekauften fernsteuerbaren Objekte waren die Fahrzeuge aus dem „Cars 3“-Film, der im September 2017 in die Kinos gekommen war. Bemerkenswert: Wegen des Rückgangs bei den Lizenzen „Star Wars“ und „Eiskönigin“ verzeichnete der Lizenzmarkt eigentlich einen Rückgang von 3 % und der Spielwaren-Gesamtmarkt stagnierte. „Cars“ konnte dagegen als Lizenzthema mit dem größten absoluten Umsatzplus von über 15 Millionen Euro punkten.

Das meiste Geld investierten die Deutschen in 2017 aber in ein fernsteuerbares Fahrzeug mit dem Namen Turnator, dessen riesige Räder sich entgegengesetzt fahren lassen: Damit kann sich das Fahrzeug auf der Stelle im Kreis drehen und spektakuläre Stunts vollführen. „Das Schöne an fernsteuerbaren Modellen ist, dass man im Kleinen einmal richtig die ‚Sau rauslassen‘ kann. Aber auch Modelle, bei denen die große Welt im Kleinen erlebt werden kann, sind ein starker Trend der letzten Jahre.“ Ein Raupenbagger und ein Frontlader waren die Stars des letzten Jahres: Sie bereicherten nicht nur die Welt im 1:32-Format, sondern konnten sich praktisch wie die Originale bewegen.

Aktuell im Trend sind weiterhin RC-Fahr- und Flugobjekte, die sich per Virtual Reality erleben lassen. Und neben den Renndrohnen sind aktuell auch fernsteuerbare Roboter der neueste Schrei: „Abgefahrene Roboter-Schaukämpfe werden auch hierzulande hoffähig und begeistern nicht nur die Zuschauer. Wer mit seinem Kampfroboter erfolgreich sein will, braucht Ingenieurgeist und Bastelgeschick“, so Kahnt.

Für fahrende und fliegende RC-Objekte gaben die Deutschen in 2017 mit 83 Millionen Euro weniger als im Vorjahr aus (5 %, 2016: 87 Mio. Euro, zu Endverbraucherpreisen, Handelspanel npd group). Der Umsatz der Branche ist aber wahrscheinlich noch größer: Zählt man alle Vertriebskanäle zusammen, gaben die Deutschen in 2017 sogar ca. 100 Millionen Euro für fernsteuerbares Spielzeug aus.

Auch bei der Modelleisenbahn sollen in 2018 mit einem Lizenzthema die Konsumenten begeistert werden: So bietet Märklin zu dem Ostern 2018 angelaufenen Kino-Blockbuster „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ die Lok Emma und ergänzende Produkte an. „Die Modelleisenbahn verbindet die Generationen beim Spielen. Und Jim Knopf begeistert nicht nur Kinder, sondern auch die Erwachsenen, die das Thema noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen.“

Kindgerechte Modelleisenbahnen bleiben im Trend und verbuchen gute Umsätze. Insgesamt stagnierte die deutsche Modelleisenbahnbranche in 2017 und liegt laut BVS-Schätzung bei ca. 150 Millionen Euro (zu Endverbraucherpreisen). Klar, dass Händler und Hersteller sowohl in Marketing als auch in das Training der Verkäuferinnen und Verkäufer investieren, um neue Kunden zu gewinnen.

Der Markt für den klassischen Plastikmodellbau (zum Selberbauen) konnte im vergangenen Jahr erneut ein Superwachstum von 5 % hinlegen: Die Deutschen legten 13 Mio. Euro in ihr Bastelhobby an (2016: 12,6 Mio. Euro, zu Endverbraucherpreisen, Handelspanel npd group). Der Umsatz der Branche ist aber wahrscheinlich noch viel größer: Zählt man alle Vertriebskanäle zusammen, gaben die Deutschen in 2017 sogar bis zu 16 Millionen Euro für Plastikmodellbau-Artikel aus.

Auch der Plastikmodellbau profitierte vom Siegeszug der Disney Cars-Lizenz. Die Branche schaffte es spürbar, jüngere Modellbauer zu gewinnen. Denn altersgerechte Modellbaukonzepte wie Revells Junior Kits bieten ungeübten Bastlern einen schnellen Erfolg. Produktlinien, bei denen kein Klebstoff mehr benötigt wird, liegen im Trend: Ob Super-Sportwagen, Nostalgietraktor oder Geisterschiff - bei den neuen Modellen werden die Einzelteile einfach zusammengesteckt und sind dadurch stabil verbunden.